Handbuchu3 WebHandbuch Kinder in den ersten drei Lebensjahren.

Theorie und Praxis für die Tagesbetreuung.

Ein Fachbuch von Fabienne Becker-Stoll, Renate Niesel und Monika Wertfein

Bis zum Jahr 2013 wird es bundesweit im Durchschnitt für jedes dritte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz geben. Zur selben Zeit erhält jedes Kind mit Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in der Tagespflege. Bereits jetzt haben viele Kommunen und Länder ihr Betreuungsangebot für unter Dreijährige erweitert.

"Was brauchen Kinder unter drei Jahren?" lautet häufig die Ausgangsfrage, wenn Tageseinrichtungen für diese Altergruppe geschaffen oder bestehende Kindergartengruppen für Kinder in den ersten Lebensjahren geöffnet werden. Eine Auseinandersetzung mit dem Bild vom Kind als aktivem Lerner verändert die Sichtweise. Die Frage "Was brauchen die Jüngsten?" geht vom Erwachsenen als Gebendem und dem Kind als Empfangendem aus. Lautet der Einstieg dagegen "Was bringen Kinder in den ersten drei Lebensjahren mit in die Tageseinrichtung und was bedeutet das für die pädagogische Arbeit?", verschiebt sich die Perspektive. Betont wird hier das Potenzial der jungen Kinder, und es stellt sich die Frage nach einer angemessenen pädagogischen Reaktion der Unterstützung und Förderung.

Das Buch vermittelt ein fundiertes Grundwissen zur Bildung, Erziehung und Entwicklung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren und zeigt Umsetzungsmöglichkeiten in der pädagogischen Praxis auf:

Kapitel 1: Kinder unter drei Jahren – aktive (Mit-)Gestalter ihrer Entwicklung

Das Bild vom Kind hat sich gewandelt. Säuglinge und Kleinkinder sind nicht nur abhängige "Pfleglinge", sondern die Säuglingsforschung und die Hirnforschung haben uns spannende Erkenntnisse darüber geliefert, dass Kinder mit Ausstattung auf die Welt kommen, die von Geburt an komplexe Lernprozesse ermöglicht. Für die Praxis bringt das ein verändertes Verständnis von Entwicklung mit sich. Das Kapitel schließt mit einer Betrachtung der Begriffe "Bildung – Erziehung – Betreuung" in den ersten drei Lebensjahren und fordert alle in diesem Bereich zu einer kritischen Reflexion der eigenen Position auf.

Kapitel 2: Bindung – früheste Voraussetzung für Entwicklung und Bildung

Das Kapitel erläutert die Erkenntnisse der Bindungsforschung soweit sie für die pädagogische Arbeit mit Kindern in den ersten Lebensjahren bedeutsam sind, denn Bindung und Exploration gehören zusammen . Beantwortet werden die Fachfragen, wie sich Bindung im ersten, zweiten und dritten Lebensjahr entwickelt und wie beim Eintritt in die Kindertagesbetreuung die Entwicklung von der Mutter-Kind-Bindung zur Erzieherin-Kind-Beziehung verlaufen kann. Die besonderen Anforderungen und Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte - Feinfühligkeit, Stressreduktion und Explorationsunterstützung – werden im Zusammenhang mit der Beziehungsqualität erläutert.

Kapitel 3: Der Bildungsauftrag in Kindertageseinrichtungen

Der Beschluss der Jugend- und Kultusministerkonferenz unter dem Titel "Gemeinsamer Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen" wurde 2004 verabschiedet und in den Bildungsplänen der Bundesländer umgesetzt. Dieses Kapitel konkretisiert den Anspruch auf Bildung in den ersten drei Lebensjahren, stellt Schlüsselthemen – auch für frühe Bildungsprozesse dar und geht der Frage nach Bildung für die Jüngsten im Alltag der Tageseinrichtung nach.

Kapitel 4: Bildungsbegleitung –Voraussetzung für gelingende Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren

Das fachliche Fundament für die Bildungsbegleitung wird in diesem Kapitel durch die Darstellung entwicklungspsychologischer Grundlagen frühkindlicher Lernprozesse aufbereitet. Ein Beispiel sind die unterschiedlichen Spielformen im Entwicklungsverlauf. Es wird eine Haltung pädagogischer Fachkräfte beschrieben, die in einer dialogischen Bildungsbegleitung ihren Ausdruck findet, und die für die Unterstützung frühkindlicher Bildungsprozesse unerlässlich ist. Zudem werden Anregungen für die Gestaltung klein kindgerechter Tagesabläufe und anregender Lernumgebungen gegeben.

Kapitel 5: Auch die Jüngsten lernen von und mit anderen Kindern

Das Zusammensein mit Gleichaltrigen, jüngeren und älteren Spielpartnern und Spielpartnerinnen bietet eine Vielfalt an Situationen, in denen junge Kinder miteinander und voneinander lernen, denn Kinder sind soziale Wesen – von Geburt an. Das Kapitel enthält vielfältige Anregungen wie pädagogische Fachkräfte Soziale Kontakte und Interaktion unter Kindern begleiten und unterstützen können. Fragen zum Konfliktverhalten und Konfliktlösungen unter jungen Kindern werden ausführlich behandelt.

Das aktuelle Thema Kinder "unter drei" in Gruppen mit erweiterter Altermischung bildet einen weiteren Schwerpunkt, auch mit Hinweisen zur konzeptionellen Weiterentwicklung für die Einrichtungen, die mit der Aufgabe konfrontiert sind, sich für jüngere Kinder zu öffnen.

Kapitel 6: Beobachtung, Dokumentation und Entwicklungsbegleitung in den ersten drei Lebensjahren

Beobachtung und Dokumentation kindlicher Entwicklungs- und Lernprozesse in Kindertageseinrichtungen haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen und sind inzwischen in den Bildungs- und Erziehungsplänen fast aller Bundesländer verankert. Die ausführlich Beantwortung der Frage ‚ Warum beobachten?’ macht deutlich, dass systematisches Beobachten nicht nur ein wichtiges Werkzeug für das Verständnis individueller Bildungsprozesse, sondern z.B. auch für eine möglichst optimale Raumgestaltung ist. Das Unterkapitel Wie beobachten? erörtert Voraussetzungen und Merkmale professioneller Beobachtung. In dem Abschnitt Was beobachten? werden unterschiedliche Beobachtungsverfahren und Dokumentationsformen von Bildungsprozessen und Entwicklungsverläufen vorgestellt.

Kapitel 7: Unverzichtbare Qualitätsmerkmale der Kindertagesbetreuung in den ersten Lebensjahren

Den Bemühungen um einen quantitativen Ausbau der Plätze in der Kindertagesbetreuung für Kinder in den ersten Lebensjahren wird in diesem Kapitel die Forderung nach Qualität von Anfang an gegenüber gestellt. Die Ergebnisse empirisch gewonnener Erkenntnisse aus Studien zur außerfamiliären Betreuung und zu Bildungsqualität werden dargestellt und belegen die Notwendigkeit einer konsequenten Berücksichtung der herausgearbeiteten Eckpunkte zur Qualitätssicherung in der Praxis.

Das " Handbuch Kinder in den ersten drei Lebensjahren. Theorie und Praxis für die Tagesbetreuung" möchte alle diejenigen ansprechen und unterstützen, die sich mit der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren befassen. Damit sind in erster Linie die pädagogischen Fachkräfte gemeint. Es sind aber auch diejenigen angesprochen, die auf der organisatorischen und administrativen Ebene Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige anbieten. organisieren und ausbauen,. Das Buch eignet sich darüber hinaus für die Aus-, Fort- und Weiterbildung im Bereich der Frühpädagogik und die neuen Studiengänge zur frühkindlichen Bildung.

 

Fabienne Becker-Stoll, Renate Niesel und Monika Wertfein (2009). Handbuch Kinder in den ersten drei Lebensjahren. Theorie und Praxis für die Tagesbetreuung. Freiburg i. Br.: Herder. Euro 22,95

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