Metaanalyse zu Nutzung und Wirkung digitaler Medien in Kindertageseinrichtungen

Hintergrund

Am Beispiel der Debatte zur Auswirkung von digitalen Medien auf kindliche Entwicklungsprozesse wird deutlich, dass die Diskussion um Vor- und Nachteile von frühkindlichem Medienkonsum meist unter Berücksichtigung einzelner Forschungsbefunde erfolgt, die teilweise aus anderen Altersstufen gewonnen wurden, oder auf Basis von persönlichen Expertisen von Digitalisierungskritikern und -befürwortern geführt wird. Im Rahmen dieser Diskussion wird zumeist nicht reflektiert, wie belastbar diese herangezogenen empirischen Einzelbefunde sind und unter welchen methodischen Voraussetzungen und Umsetzungsbedingungen sie entstanden sind. Ebenso fehlt in der Debatte eine umfängliche systematische Literatursuche anhand standardisierter Kriterien zur Qualitätseinschätzung für Forschungsbefunde.

Die Bezugnahme auf Forschungsergebnisse macht das sozial- und bildungspolitische Bedürfnis nach einer empirisch abgesicherten pädagogischen Praxis deutlich (Pant, 2014). Für evidenzbasiertes politisches Handeln im Sozial- und Bildungswesens muss empirisches Wissen über Bildungsprozesse bereitgestellt werden (Bromme, Prenzel & Jäger, 2014). Bei einem evidenzbasierten Zugang wird hauptsächlich überprüft, welchen Einfluss eine definierte pädagogische Praxis (z.B. Lernsoftware, Tabletnutzung) auf kindliche Entwicklungsprozesse hat. So lassen auch die Europäische Union sowie Bildungsministerien z.B. in den USA oder den Niederlande (u.a. What Works Clearinghouse, 2013; n.d. (US Department of Education); Fukkink, Jilink, & Oostdam, 2015) Metaanalysen zu politischen Fragen über effektive Kita-Praxis anfertigen.

Zielsetzung

Ziel der Metaanalyse ist es, (1) durch gezielte Recherchestrategien sämtliche für die Fragestellung existierende Untersuchungen (Primärstudien) zu finden und (2) die positiven und negativen Befunde anhand festgelegter Kategorien systematisch zu erfassen sowie (3) den Forschungsstand so zu aggregieren, dass Implikationen für pädagogische Prozesse im frühkindlichen Bildungswesen in Bezug auf Nutzung und Wirkung digitaler Medien formuliert werden können.

Das Projekt hat eine Laufzeit von Januar 2019 bis Juni 2020. Erste zentrale Ergebnisse werden auf dem IFP Fachkongress 2020 vorgestellt.

Fragestellungen

a. Welche Wirkung hat Lernen mit digitalen Medien (u.a. Apps, Tablets, Computer) in der Kita auf die Entwicklung von Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren?

b. Welche praktischen Implikationen lassen sich aus den empirischen Befunden von wirksamen Ansätzen zum Einsatz von digitalen Medien in Kindertageseinrichtungen formulieren?

Methode

a. Literatursuche

Es wird eine systematische Literatursuche in englisch- und deutschsprachigen elektronischen Datenbanken (wie. z.B. ERIC, PSYCINFO, PROQUEST, MEDLINE, FIS Bildung) durchgeführt. Weiter erfolgt eine manuelle Suche in Zeitschriften und Konferenzprogrammen, Referenzlisten relevanter Studien und Internetsuchmaschinen. Wir suchen nach Zeitschriftenartikeln, Konferenzbeiträgen (Folien), unveröffentlichten Forschungsberichten sowie Bachelor- und Masterarbeiten und Dissertationen.

b. Einschlusskriterien für die Metaanalyse

Interventionsstudien mit Kontrollgruppendesign, die Nutzung oder Wirkung des Einsatzes digitaler Medien in Kindertageseinrichtungen untersuchen, werden eingeschlossen.

Eingeschlossen werden (quasi–)experimentelle Studien mit mindestens 10 Teilnehmern pro Gruppe (je Kontroll- und Experimentalgruppe).

Digitale Medien (z.B. Apps, Tablets, Computer) müssen zur Lernunterstützung in der Kindertagesbetreuung eingesetzt werden.

Wir konzentrieren uns auf den frühkindlichen Bereich vor der Grundschule (etwa Geburt bis 6 Jahre). Studien, die den Einsatz digitaler Medien in der Grundschule oder unter Laborbedingungen experimentell untersuchen, werden ausgeschlossen.

Die Studien müssen auf Deutsch oder Englisch verfügbar sein.

c. Kodierung

Die systematische Literatursuche, Bewertung der Studien und inhaltliche Kodierung erfolgt durch zwei unabhängige Reviewer. Dabei wird ein mehrstufiger Prozess mit (a) Titel- und Abstractscreening, (b) Bewertung der Studienqualität und (c) inhaltliche Analyse zur Lernunterstützung mit digitalen Medien verwendet.

Ergebnisse

Erste Ergebnisse werden auf dem IFP Fachkongress im Frühsommer 2020 vorgestellt.

Call for Papers

Wir suchen nationale und internationale Interventionsstudien, die sich mit der Wirkung von Lern- und Entwicklungsprozessen mit digitalen Medien in Kindertageseinrichtungen befassen. Wir würden Sie gerne dazu auffordern, uns Berichte, Präsentationen oder Kurzbeschreibungen von aktuellen Untersuchungen zu diesem Thema zuzusenden.
Bitte richten Sie Ihre E-Mail an: franziska.egert@ifp.bayern.de

Ansprechpersonen am IFP:

Dr. Anne-Kristin Cordes (anne-kristin.cordes@ifp.bayern.de)

Fabienne Hartig (fabienne.hartig@ifp.bayern.de)

Projektleitung an der Katholischen Stiftungshochschule München

Prof. Dr. Franziska Egert (franziska.egert@ifp.bayern.de)

 

Staatsinstitut für Frühpädagogik

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