Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern unter drei Jahren

Formative und summative Prozessevaluation der Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift, Modul E2 (BiSS-E2) 

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Projektlaufzeit: 2015 – 2018

Projektleitung: Dr. Claudia Wirts, Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll

Projektteam: Nesiré Schauland, Dr. Franziska Egert

Kontakt: Evaluation.BISS@ifp.bayern.de

Projektanlass

Nationale und internationale Befunde zeigen, dass ein sprachunterstützendes Interaktionsverhalten im Kita-Alltag die sprachlichen Kompetenzen von Kindern maßgeblich positiv beeinflussen kann. Einige Studien weisen jedoch darauf hin, dass es hinsichtlich lernunterstützender Alltagsinteraktionen in Kindertageseinrichtungen einen großen Entwicklungsbedarf in Deutschland gibt (Wildgruber, Wirts & Wertfein, 2014; Kammermeyer, Roux & Stuck, 2013; Suchodoletz, Fäsche, Gunzenhauser & Hamre, in Druck). Mit dem Modul „Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern unter drei Jahren“ nimmt sich die Bund-Länder-Initiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) dieses Themas an. Durch die Fortbildung und Weiterqualifizierung der pädagogischen Fachkräfte im Hinblick auf gezielte alltagsintegrierte Sprachbildung versuchen die BiSS-Verbünde in den einzelnen Bundesländern, die sprachliche Lernunterstützung im Alltag der beteiligten Einrichtungen zu optimieren.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werden BiSS-Verbünde, die sich der Optimierung alltagsintegrierter Sprachbildung für Kinder unter drei Jahren widmen (Modul E2), durch das Staatsinstitut für Frühpädagogik im Rahmen der Studie „BiSS-E2“ wissenschaftlich begleitet.

Das IFP begleitet in einem im Februar 2015 gestarteten Projekt (BiSS-E1) bereits ausgewählte BiSS-Verbünde bei der Implementierung alltagsintegrierter Sprachbildung im Elementarbereich (Modul E1) im Rahmen einer formativen Prozessevaluation. Aufgrund der analogen Konzeption der formativen Evaluationsdesigns können über beide Projekte hinweg vergleichbare Daten gewonnen werden.

Ziele und Forschungsfragen

Die formative und summative Evaluation des Moduls „Unterstützung der Sprachentwicklung von Kindern unter drei Jahren“ hat das Ziel alle teilnehmenden Verbünde und Kindertageseinrichtungen bei der Qualitätsentwicklung wissenschaftlich zu begleiten. Folgende Hauptziele werden verfolgt:

1. Veränderungen in der Umsetzungsqualität ermitteln: Wie werden die von den Verbünden angestrebten Implementierungsziele zu Beginn der Qualifizierungsmaßnahmen umgesetzt und wie verändert sich die Umsetzungsqualität durch die Qualifizierung der pädagogischen Fachkräfte (Prä-Post-Vergleich in den Einrichtungen, in denen die Qualifizierungsmaßnahmen zu T1 noch nicht begonnen haben).

2. Bedingungsfaktoren für den Umsetzungserfolg identifizieren: Wodurch zeichnen sich besonders erfolgreiche Unterstützungsmodelle, Qualifizierungskonzepte oder Materialien aus und welche Rahmenbedingungen hängen mit dem Umsetzungserfolg zusammen?

3. Qualitätsentwicklung unterstützen: Gezielte Rückmeldungen auf Basis der Ergebnisse an die beteiligten Fachkräfte und Verbünde, die Zusammenstellung von erprobten Toolsets sowie die Entwicklung implementierungsunterstützender ergänzender Materialien auf Basis der Ergebnisse.
 

Projektkonzeption

Das Projekt ist für den Zeitraum von Oktober 2015 bis September 2018 geplant. In die formative Prozessevaluation sind BiSS-Verbünde aus Berlin, Brandenburg und Sachsen einbezogen. Die Evaluation besteht aus folgenden Bausteinen:

1. Erfassung verbundspezifischer Implementierungsziele
Im Rahmen von Eingangsinterviews mit den Leitungen und Fachkräften jeder teilnehmenden Einrichtung sowie den jeweiligen Ansprechpartnern auf Verbundebene werden die individuellen Implementierungsziele und Qualifizierungsmethoden erfasst.

2. Erfassung der Umsetzungsqualität der Implementierungsziele
Um Effekte der implementierten Konzepte zur sprachlichen Bildung erfassen zu können, soll die Umsetzungsqualität der alltagsintegrierten Sprachförderung im Prä-Post-Vergleich (vor den BiSS-Fortbildungen und ein Jahr später), bzw. in den bereits qualifizierten Einrichtungen einmalig, erhoben werden:

  • Sprachliche Anregungsqualität: Mehrwöchige, tagesrückblickende Befragung der teilnehmenden pädagogischen Fachkräfte zur Umsetzung der Implementierungsziele mit Fokus auf die alltagsintegrierten sprachlichen Bildungsaktivitäten (z.B. längere Gespräche, Bilderbuchbetrachtung, Aktivitäten im Bereich phonologischer Bewusstheit/Schrift) mit Hilfe eines Tablet-gestützten Fragebogens (Zeitreihenanalyse).
  • Interaktionsqualität: Die Interaktionen der teilnehmenden Mitarbeiter/innen, werden jeweils an einem Vormittag in unterschiedlichen Alltagssituationen mit Hilfe der CLASS Toddler (La Paro et al., 2012) oder CLASS Pre-K (Pianta, La Paro & Hamre, 2008) beobachtet.
  • Sprachliche Interaktion der Fachkräfte/Kinder: Wenn die Einwilligung der teilnehmenden Fachkräfte sowie der Eltern der Kinder vorliegt, werden während der Beobachtung Audio- und/oder Videoaufnahmen gemacht, um die persönlichen Rückmeldungen an die Fachkräfte und die Analyse der Interaktionen effektiver gestalten zu können.
  • Dokumentenanalyse der Beobachtungsinstrumente, die zur Dokumentation eingesetzt werden (sofern der Umgang mit Beobachtungs- und Dokumentationsverfahren Implementierungsziel war).

3. Erfassung potenzieller Bedingungsfaktoren
Potenzielle Bedingungsfaktoren, die zum Gelingen der Implementierung beitragen bzw. sich erschwerend auswirken können, sollen wie folgt erfasst werden:

  • strukturelle Rahmenbedingungen (z.B. Personalsituation, Gruppenzusammensetzung etc.): Fragebogen für die Einrichtungsleitung und die teilnehmenden Fachkräfte
  • situative Bedingungsfaktoren (z.B. tagesaktueller Krankenstand, Wetter, besondere Aktivitäten): im Rahmen der tabletgestützten Befragung
  • Inhalte und methodische Aspekte der Qualifizierungsmaßnahmen: Interviews und Fragebögen auf Verbundebene

4. Qualitätsentwicklung
Basierend auf den Ergebnissen der verschiedenen Erhebungen soll die Qualitätsentwicklung in den Kitas unterstützt werden. Dazu gehört unter anderem, dass jede beteiligte Fachkraft individuelles Feedback über die beobachteten Interaktionen erhält. Auf Verbundebene werden anonymisierte Ergebnisse zur Umsetzungsqualität der Implementierungsziele und Bedingungsfaktoren rückgemeldet, damit die Qualifizierungskonzepte gezielt optimiert werden können.
Darüber hinaus sollen geeignete Maßnahmen zur Implementierungsunterstützung generiert werden. Basierend auf den gewonnenen Ergebnissen sollen schwer zu implementierende Lerninhalte aus den Qualifizierungskonzepten der Verbünde auf Ebene des Wissens bzw. der Anwendung mit neuen Medien motivierend aufbereitet werden (z.B. Entwicklung einer App, in der Fortbildungsinhalte in erwachsenengerechten Spielformaten vertieft werden oder einer App zur Unterstützung des Transfers von Beobachtungswissen in die pädagogische Planung).

Projektleitung und Projektteam

Projektleitung:

Prof. Dr. Fabienne Becker-Stoll, Dipl. Psychologin, Institutsleitung IFP
Dr. Claudia Wirts, Sprachheilpädagogin, Sonderpädagogin, M.A,

Projektteam:

Nesiré Schauland, Pädagogin (M.A.)
Franziska Egert, Dipl. Soz.Päd. (FH), Dipl. Pädagogin (Univ.)
 


Projektförderung

Das Projekt wird gefördert durch das

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)

im Rahmen der Bund-Länderinitiative „Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS)

„Bildung durch Sprache und Schrift“ (BiSS) ist eine gemeinsame Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Konferenz der Jugend- und Familienminister (JFMK) der Länder.

Weitere Informationen zur Bund-Länder-Initiative unter: www.biss-sprachbildung.de

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