Bild Bildung In Deutschland KongressbandBildung und Erziehung in Deutschland.

Pädagogik für Kinder von 0 bis 10 Jahren.

Herausgegeben von Fabienne Becker-Stoll und Bernhard Nagel

In allen Bundesländern liegen Bildungspläne für den Elementarbereich vor. Mit deren Einführung ist der Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen eindeutig formuliert. Damit steigen auch die Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte. Wie können die Inhalte in die Praxis umgesetzt werden? Welche Projekte gibt es bereits, die im wahrsten Sinne "Best Practice"-Beispiele sind? Welche Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen und in der Aus-, Fort- und Weiterbildung werden vorgeschlagen, um die weite Umsetzung der Bildungspläne möglich zu machen?

Um der großen gesellschaftlichen Herausforderung, die frühkindliche Bildung in Deutschland qualitativ voranzubringen, begegnen zu können, braucht es einen regen Austausch zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik. Und genau diesen Weg will der vorliegende Band beschreiten: Wissenschaftler/innen aus den Disziplinen Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Recht — von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Feldforschung — haben aus ihrer Perspektive die Grundlagen kindlichen Lernens dargestellt.

In der Einführung werden die gegenwärtigen Bildungspläne in eine umfassendere Vision eingebettet, bei der die Philosophie der von W. E. Fthenakis entwickelten Bildungspläne von Bayern und Hessen die Grundlage eines institutionsübergreifenden Bildungsverständnisses prägt, das vom Elementarbereich bis in die Sekundarstufe reicht und über Landesgrenzen hinweg gültig sein sollte.

Ein wichtiges Ziel des Buches ist der Austausch mit dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand in Bezug auf die Entwicklung und Lernfähigkeit von Kindern in den ersten Lebensjahren. Ingrid Pramling Samuelsson vertieft das Verständnis von Lernen und von Lernprozessen in der frühen Kindheit. Im Beitrag von Fabienne Becker-Stoll werden die Befriedigung der psychischen Grundbedürfnisse nach Bildung, Kompetenz-Erleben und Autonomie als die Basis für das lebenslange Lernen dargestellt. Die Grundlagen der kognitiven Entwicklung erklären Beate Sodian und Claudia Thoermer, indem sie verdeutlichen, dass schon Säuglinge von andern erwarten, rational und zielgerichtet zu agieren.

Den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zur Familie als Bildungsort stellt Beate Minsel vor, und Michael Schnabel beschreibt zentrale Praxisprojekte zu diesem Thema. Für die Mathematische und naturwissenschaftliche Bildung im Elementarbereich fasst Annette Schmitt den wissenschaftlichen Diskussionsstand zusammen, während Dagmar Winterhalter-Salvatore anschließend die notwendige Umsetzung in die pädagogische Praxis ausführt.

Der Bereich Sprache wird in dem Beitrag von Christa Kieferle sowohl hinsichtlich des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes als auch in Bezug auf die pädagogische Praxis beleuchtet. Es geht hier um Literacy in den Kindertageseinrichtungen und in der Familie bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Das Thema Übergänge wird durch die Beiträge von Eva Schumacher und Wilfried Griebel vertreten. Eva Schumacher erklärt, dass demografische und gesellschaftliche Veränderungen eine Zunahme an Übergängen in der Biografie des Einzelnen bedingen, die auch zu einem verstärkten Interesse an Übergängen in der Bildungslaufbahn führen. Wilfried Griebel verbindet in seinem Transitionsansatz den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule mit dem Lerngewinn und Kompetenzzuwachs der Kinder und der Eltern.

Ziel des Themenschwerpunktes Lernmethodische Kompetenz ist es, die Stärkung dieses Bereiches aus theoretischer wie praktischer Sicht in den Blick zu nehmen. Angelika Speck-Hamdan stellt in ihrem wissenschaftlichen Beitrag die Förderung lernmethodischer Kompetenzen als zentrale Aufgabe für den Elementarbereich heraus. Und Magdalena Hellfritsch verbindet Praxisbeispiele von Förderung der Lernmethodischen Kompetenz mit ko-konstruktiven Prozessen und zeigt auf, wie diese Herausforderung für pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten gelingen kann.

Die Ko-Konstruktion als Bildungs- und Erziehungsprinzip stellen Eva Reichert-Garschhammer sowie Dagmar Berwanger, Sigrid Lorenz und Beate Minsel in ihren Beiträgen zur Entwicklung und Implementation des Bayerischen und des Hessischen Bildungsplans in den Mittelpunkt. Eva Reichert-Garschhammer dokumentiert die einmalige Länderkooperation bei der Entwicklung und Implementation der Bildungspläne und stellt dabei die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede heraus. Der Beitrag von Dagmar Berwanger, Sigrid Lorenz und Beate Minsel geht auf die Bedeutung der wissenschaftlichen Begleitung bei deren Umsetzung und auf die wichtigsten Ergebnisse, die dabei erzielt wurden, ein.

Ein Ausblick von Bernhard Nagel rundet den Band ab. In seinem Beitrag werden die Perspektiven für die Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung entworfen. Dabei spielen die Veränderungen in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften eine entscheidende Rolle.

Fabienne Becker-Stoll & Bernhard Nagel (Hrsg.): Bildung und Erziehung in Deutschland. Pädagogik für Kinder von 0 bis 10 Jahren. Berlin, Düsseldorf, Mannheim: Cornelsen Verlag Scriptor 2007, 208 Seiten, EUR 21,95

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